Tagesgeld, Bausparer oder ETF: Womit Familien für ihre Kinder wirklich Vermögen aufbauen
Warum klassische Sparformen kaum noch tragen – und welche Strategien Experten heute empfehlen
Fast jede Familie in Deutschland legt etwas für den Nachwuchs zur Seite – mal für den Führerschein, mal für das Auslandssemester, mal für die ersten eigenen vier Wände. Doch wer beim Vermögensaufbau für Kinder allein auf altbekannte Sparformen vertraut, verschenkt über die Jahre häufig deutlich mehr Rendite, als ihm bewusst ist. Verantwortlich dafür ist selten Bequemlichkeit, sondern eher die Macht der Gewohnheit: Sparbuch und Bausparvertrag stehen seit Generationen für Sicherheit – und genau das macht sie für viele Eltern zur ersten Wahl.
Dabei zeigen aktuelle Auswertungen der Bundesbank, dass private Haushalte in Deutschland inflationsbereinigt seit Jahren auf einem großen Teil ihrer Sparvermögen Kaufkraft verlieren. Für den Nachwuchs, dessen Anlagehorizont zehn, fünfzehn oder sogar zwanzig Jahre umfasst, bedeutet das: Die ungenutzte Zeit ist der eigentliche Verlust – nicht die Inflation an sich.
Wer heute für ein Kind spart, hat den vielleicht größten Vorteil, den ein Anleger überhaupt haben kann: einen sehr langen Zeithorizont. Dieses Privileg verschenken viele Familien, ohne es zu merken.
Das sagt Niklas Reuter, unabhängiger Honorarberater aus Hamburg, der seit über fünfzehn Jahren Familien zu Vermögensfragen begleitet. Im Magazin-Gespräch erklärt er, welche Fehler ihm in der Praxis am häufigsten begegnen – und worauf Eltern, Großeltern und Paten beim langfristigen Sparen heute achten sollten.
Sparbuch: Sicher im Nennwert, riskant in der Kaufkraft
Das klassische Sparbuch erfüllt eine wichtige Funktion: Es schützt Geld vor Kursschwankungen und ist jederzeit verfügbar. Genau das macht es zu einem geeigneten Ort für kurzfristige Reserven – etwa für die nächste Klassenfahrt oder unerwartete Anschaffungen. Sobald es jedoch um den langfristigen Vermögensaufbau geht, kippt das Bild. Liegt der Sparzins unter der Inflationsrate, schmilzt die reale Kaufkraft Jahr für Jahr leise dahin.
Hinzu kommt eine oft unterschätzte Detailfrage: Auf wessen Namen läuft das Konto? Wird das Sparbuch direkt für das Kind angelegt, gehört das Guthaben rechtlich dem Kind. Mit Vollendung des 18. Lebensjahres darf es frei darüber verfügen – auch dann, wenn die Eltern ursprünglich andere Pläne für das Geld hatten.
ETFs: Schwankung als Preis für Wachstum
Wer hingegen das volle Potenzial langer Laufzeiten nutzen will, kommt am Aktienmarkt kaum vorbei. Börsengehandelte Indexfonds – kurz ETFs – bilden ganze Märkte ab und investieren breit gestreut in mehrere hundert oder sogar tausende Unternehmen weltweit.
Historisch haben breit aufgestellte Aktienindizes wie der MSCI World oder der FTSE All-World über Zeiträume von zwanzig Jahren und mehr durchschnittliche Renditen von etwa sieben bis acht Prozent pro Jahr erzielt. Wichtig zu wissen: Aktienkurse schwanken. Der entscheidende Hebel ist die Zeit – sie glättet diese Schwankungen statistisch zuverlässig.
Fazit
Sparbuch und Bausparvertrag haben ihre Berechtigung – als Reserve oder als Werkzeug für ein konkretes Ziel. Für echten, generationenübergreifenden Vermögensaufbau braucht es jedoch breit gestreute Aktienanlagen, einen langen Atem und eine Strategie, die sich nicht von kurzfristigen Schlagzeilen treiben lässt.