Passives Investieren mit ETFs: Warum der Markt langfristig der bessere Stockpicker ist
Wer auf den gesamten Markt setzt, statt einzelne Aktien herauszupicken, spart Zeit, Kosten und Nerven – und liegt langfristig fast immer vorn.
Auf einen Blick: Passive Investoren bilden den Markt 1:1 nach – meist über breit gestreute ETFs. Studien zeigen, dass über 10 Jahre weit mehr als 80 % aller aktiv gemanagten Fonds nach Kosten schlechter abschneiden als ihr Vergleichsindex. Genau deshalb ist passives Investieren auch das Konzept hinter modernen Juniordepots.
Wer Geld an der Börse anlegt, steht früher oder später vor einer grundlegenden Frage: Soll ich versuchen, den Markt zu schlagen – oder reicht es, mit dem Markt mitzulaufen? Die Antwort der Wissenschaft ist seit Jahrzehnten erstaunlich klar: Mit dem Markt mitzulaufen ist langfristig die deutlich erfolgreichere Strategie. Genau das ist die Idee hinter dem passiven Investieren mit ETFs.
Statt einzelne Aktien herauszupicken, bildest Du beim passiven Investieren den Gesamtmarkt im Portfolio ab. Du kaufst nicht das eine vermeintlich unterbewertete Unternehmen, sondern – über einen einzigen Wertpapierkorb – gleich Hunderte oder Tausende Firmen weltweit. Damit verzichtest Du auf den Reiz, der größte Gewinner des Jahres im Depot zu haben. Im Gegenzug fängst Du auch keinen einzelnen Komplettausfall voll ab.
Aktiv vs. passiv – zwei Philosophien
Beim aktiven Investieren beobachten Anlegerinnen und Anleger den Markt und entscheiden, welche Aktien aus ihrer Sicht unter- oder überbewertet sind. Sie kaufen in der Erwartung, dass der Kurs steigt, und verkaufen mit Gewinn – idealerweise jedenfalls. Diese gezielte Auswahl einzelner Werte nennt man Stockpicking. Eine Variante davon: Statt selbst auszuwählen, überlässt man die Entscheidung einem Fondsmanager, der einen aktiv gemanagten Fonds steuert.
Passive Investorinnen und Investoren starten mit einer anderen Überzeugung: dass kaum jemand den Markt dauerhaft schlagen kann – und dass es deshalb klüger ist, ihn einfach abzubilden. Sie bauen sich ein durchschnittliches Weltportfolio und nehmen die durchschnittliche Marktrendite mit. Klingt unspektakulär. Ist aber verblüffend wirksam.
Börsenlexikon · Marktrendite: Rendite ist der Ertrag, den eine Kapitalanlage über einen bestimmten Zeitraum abwirft. Kaufst Du eine Aktie für 100 € und verkaufst sie ein Jahr später für 105 €, beträgt Deine Rendite 5 %. Die Marktrendite ist der Ertrag, den der gesamte Markt erwirtschaftet – gemessen wird sie über einen Index wie etwa den MSCI World.
Wer bekommt am Ende mehr Rendite?
Langfristige Auswertungen großer Indexanbieter zeigen ein bemerkenswert konstantes Bild: Über einen Zeitraum von zehn Jahren bleibt die überwältigende Mehrheit aller global anlegenden, aktiv gemanagten Aktienfonds hinter der Rendite ihres Vergleichsindex zurück. In manchen Marktsegmenten liegt die Quote der „Verlierer“ bei mehr als 95 %. Auch bei Fonds, die ausschließlich in den deutschen Markt investieren, schafft es nur eine Minderheit, den Index zu schlagen.
Noch ernüchternder: Wer in einem Jahr besser war als der Markt, ist es im Folgejahr meist nicht mehr. Der „Star-Fondsmanager“ von gestern ist statistisch gesehen kein verlässlicher Indikator für künftige Outperformance. Vereinfacht heißt das: Selbst Profis, die Vollzeit nichts anderes tun, als Aktien zu analysieren, schlagen den Markt nach Kosten nur in Ausnahmefällen dauerhaft.
Warum funktioniert das überhaupt? Die Effizienz der Märkte
Die Grundlage des passiven Investierens ist die sogenannte Effizienzmarkthypothese. Sie besagt: In einem effizienten Kapitalmarkt sind alle öffentlich verfügbaren Informationen bereits im Kurs eines Wertpapiers eingepreist. Bilanzen, Zinserwartungen, geopolitische Risiken, Branchentrends – all das spiegelt sich praktisch in Echtzeit in den Aktienkursen wider.
Wenn das stimmt, ist es nahezu unmöglich, mit öffentlich zugänglichen Informationen einen systematischen Vorsprung zu haben. Die logische Konsequenz: Statt zu versuchen, einzelne „unterbewertete“ Aktien zu finden, kaufst Du einfach den ganzen Markt – und vertraust darauf, dass die Weltwirtschaft langfristig wächst.
Buy-and-Hold statt Daytrading
Passives Investieren ist eng mit der sogenannten Buy-and-Hold-Strategie verbunden: Anteile kaufen und halten – über viele Jahre, idealerweise Jahrzehnte. Du sitzt kurzfristige Kursschwankungen aus, hechelst keinen Trends hinterher und lässt Dich nicht von Geheimtipps locken. Statt täglich ins Depot zu schauen, machst Du genau das Gegenteil: möglichst wenig.
Klingt langweilig – ist aber gerade das Geheimnis. Wer ständig kauft und verkauft, zahlt jedes Mal Gebühren, kassiert Steuern auf realisierte Gewinne und läuft Gefahr, gerade die wenigen besten Börsentage zu verpassen, an denen ein Großteil der langfristigen Rendite entsteht.
Börsenlexikon · ETF: Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein börsengehandelter Indexfonds. Er bildet einen Index – etwa den MSCI World oder den S&P 500 – möglichst exakt nach. Statt eine einzelne Aktie zu kaufen, bekommst Du mit einem einzigen ETF-Anteil einen winzigen Anteil an Hunderten Unternehmen weltweit.
Der versteckte Steuervorteil von Buy-and-Hold
Ein oft übersehener Vorteil des passiven Investierens ist der sogenannte Barwertvorteil durch Steuerstundung. Auf realisierte Kursgewinne fallen in Deutschland 25 % Kapitalertragsteuer an, hinzu kommen Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Solange Du Deine Anteile aber nicht verkaufst, fällt dieser Anteil auch nicht an – und arbeitet stattdessen weiter für Dich im Markt mit.
Bei thesaurierenden ETFs, die Erträge automatisch wieder anlegen, wird zwar jährlich eine moderate Vorabpauschale fällig. Der Großteil der Steuerlast verschiebt sich aber auf den späteren Verkauf – häufig erst Jahrzehnte nach dem ersten Kauf. Zusätzlich bleibt für jede sparende Person in Deutschland ein Sparerpauschbetrag von 1.000 € pro Jahr (2.000 € für gemeinsam veranlagte Paare) komplett steuerfrei.
Was bedeutet das für Eltern und das Juniordepot?
Genau hier schließt sich der Kreis zur Frühstart-Rente und zum klassischen Juniordepot. Beide setzen im Kern auf dieselbe Logik: regelmäßige, kleine Beträge, lange Laufzeit, breit gestreute ETFs – statt aktivem Stockpicking auf das Konto eines Kindes. Der Anlagehorizont von 10, 15 oder 18 Jahren ist quasi maßgeschneidert für die passive Strategie.
Wer das Juniordepot des Kindes konsequent passiv und kostengünstig führt, profitiert gleich dreifach: von der durchschnittlichen Marktrendite über sehr lange Zeiträume, vom starken Zinseszinseffekt und von der weitgehend steuerstundenden Wirkung des Buy-and-Hold-Ansatzes. Genau dieser Hebel macht aus monatlich 25 oder 50 € am Ende oft einen mittleren fünfstelligen Betrag zum 18. Geburtstag.
3 Tipps für erfolgreiches passives Investieren
1. Kenne Deine Risikotragfähigkeit. Auch passive Anlagen schwanken – manchmal heftig. Wer wissen will, ob er einen Rückgang von 30 oder 40 % aushält, sollte sich vor dem ersten Kauf ehrlich mit dem Thema Marktrisiko auseinandersetzen, nicht erst, wenn die Kurse rot blinken.
2. Wähle ETFs, die zu Deiner Strategie passen. Du kannst weltweit, regional, branchenspezifisch oder nach Nachhaltigkeitskriterien (ESG) investieren. Wichtig ist Konsistenz: Ein einmal gewählter Schwerpunkt sollte nicht alle paar Monate gewechselt werden, nur weil eine andere Region gerade besser läuft.
3. Trenne passive und aktive Anlagen. Wer einen Teil des Vermögens „spielerisch“ in Einzelwerte stecken will, sollte das in einem separaten Depot tun. So bleibt der passive, langfristig orientierte Teil unangetastet – und Du gerätst nicht in Versuchung, Deine Buy-and-Hold-Strategie wegen einer einzelnen Idee aufzubrechen.
Fazit: Geduld schlägt Genie
Passives Investieren ist nicht aufregend. Es verspricht keine Verzehnfachung in zwei Jahren und kein Geheimwissen. Es liefert dafür etwas, das in der Geldanlage ungleich seltener ist: eine wissenschaftlich gut belegte, langfristig hohe Erfolgsquote bei minimalem Zeitaufwand. Genau diese Eigenschaften machen es zur naheliegenden Strategie für alle, die Vermögen über Jahrzehnte aufbauen wollen – sei es für die eigene Rente oder für die finanzielle Zukunft des Kindes.