Altersvorsorgedepot statt Riester: Was die neue Reform für Sparer wirklich verändert

ETFs in der staatlich geförderten Vorsorge, höhere Zulagen, mehr Flexibilität – die wichtigsten Punkte im Überblick

Auf einen Blick: Die Altersvorsorgereform bringt erstmals echte ETF-Investments in die staatlich geförderte Altersvorsorge. Sparer profitieren von höheren Zulagen und deutlich mehr Flexibilität bei der späteren Auszahlung. Besonders für junge Anlegerinnen und Anleger kann sich das neue Altersvorsorgedepot spürbar lohnen.

Mehr Rendite bei der privaten Altersvorsorge – und gleichzeitig staatliche Zuschüsse: Genau diese Kombination soll der Nachfolger der Riester-Rente endlich möglich machen. Mit dem beschlossenen Altersvorsorgereformgesetz wird das System grundlegend umgebaut. Für viele Sparerinnen und Sparer stellt sich nun die Frage: Lohnt sich der Wechsel – und wenn ja, ab wann?

Was die Reform jetzt konkret bedeutet

Beschlossen wurde die Reform der privaten Altersvorsorge zum Frühjahr. Sie betrifft Millionen von Menschen in Deutschland und stellt das bisherige Modell auf eine neue Grundlage. Schon kurz vor der Verabschiedung hatten sich die Beteiligten auf zentrale Verbesserungen geeinigt: Geringverdienende erhalten höhere Zulagen, der Staat soll künftig auch eine eigene Fondslösung anbieten, und die Kosten für ein neues Standarddepot wurden auf maximal ein Prozent pro Jahr begrenzt. Zusätzlich werden Selbstständige und Freiberuflerinnen erstmals umfassend in die geförderte Vorsorge einbezogen.

Altersvorsorgedepot: Warum ETFs für mehr Rendite sorgen

Kernstück der Reform ist das neue Altersvorsorgedepot. Beiträge und staatliche Zulagen können hier zu 100 Prozent in Aktien und kostengünstige Indexfonds (ETFs) fließen. Breit gestreute Welt-Indizes haben über lange Zeiträume durchschnittlich rund acht Prozent Rendite pro Jahr erzielt – deutlich mehr, als klassische Riester-Verträge mit ihren strengen Garantieanforderungen erwirtschaften konnten.

Wichtig zu wissen: Die Werte im Depot können kurzfristig schwanken, auch zwischenzeitliche Verluste sind möglich. Über Anlagezeiträume von 15 bis 20 Jahren und mehr haben weltweit gestreute ETF-Investments historisch jedoch immer eine positive Rendite erzielt. Verbraucherschutz-Organisationen empfehlen sie deshalb ausdrücklich für die langfristige Altersvorsorge.

Wer zwanzig oder dreißig Jahre Zeit hat, gewinnt mit einem breit gestreuten Aktien-Sparplan beinahe immer – kurzfristige Schwankungen sind der Preis für langfristig deutlich höhere Renditen.

Standarddepot und staatliches Fondsangebot

Für Einsteigerinnen und Einsteiger an der Börse soll es ein vorkonfiguriertes Standarddepot mit zwei Bausteinen geben: einem renditeorientierten Aktienanteil und einem konservativen Sicherheitsbaustein. Zusätzlich plant der Staat selbst ein eigenes Fondsangebot. Die genaue Ausgestaltung wird in den nächsten Beratungsrunden festgelegt.

Bei den Kosten gibt es eine klare Verschärfung: Statt der ursprünglich angedachten 1,5 Prozent darf das Standarddepot die Rendite künftig um maximal ein Prozent pro Jahr schmälern. Vergleichbare Modelle aus dem europäischen Ausland zeigen, dass auch deutlich niedrigere Kostenquoten möglich sind. Damit bekommt die klassische Versicherungsbranche, die bislang den Markt der geförderten Altersvorsorge dominiert hat, spürbare Konkurrenz – etwa von Direktbanken und modernen Online-Brokern, die kostenlose Depotführung und günstige Sparpläne ohnehin zum Standard gemacht haben.

Versicherungslösungen: Bleiben möglich, verlieren aber an Reiz

Garantieprodukte wird es weiterhin geben: Wahlweise sind 80 oder 100 Prozent der eingezahlten Beiträge und Zulagen abgesichert. Diese Garantien schränken jedoch die Anlage in renditestarke Wertpapiere stark ein – und sie sind teuer. Für klassische Versicherungslösungen gilt zudem keine eigene Kostenobergrenze.

Verbraucherschützer warnen, dass sich die Kosten bei Garantiepolicen und fondsgebundenen Rentenversicherungen schnell auf drei bis fünf Prozent pro Jahr summieren können – Geld, das direkt von der späteren Rendite abgeht. Immerhin: Abschlusskosten dürfen nicht mehr in den ersten fünf Jahren auf einmal abgezogen werden, sondern müssen über die gesamte Vertragslaufzeit verteilt werden. Das macht einen späteren Anbieterwechsel einfacher und fairer.

Wie viel Geld es künftig vom Staat gibt

Erstmals profitieren nicht nur sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, sondern auch Selbstständige und Freiberufler von der geförderten Vorsorge. Die Höhe der Zulage hängt davon ab, wie viel selbst eingezahlt wird – und gerade Geringverdienende werden überdurchschnittlich gefördert: Für Eigenbeiträge bis 360 Euro im Jahr gibt es 50 Cent Zulage pro eingezahltem Euro, für jeden Euro zwischen 361 und 1.800 Euro kommen 25 Cent dazu.

Wer ab dem Start des neuen Modells monatlich 150 Euro in einen Altersvorsorgevertrag einzahlt, kann bis zu 540 Euro staatliche Förderung pro Jahr erhalten – das ist mehr als das Dreifache der bisherigen Riester-Grundzulage. Auch die Förderung pro Kind wurde verbessert: Für jeden eingezahlten Euro gibt es einen Euro dazu, maximal jedoch 300 Euro pro Kind und Jahr. Um die volle Kinderzulage abzurufen, müssen Eltern denselben Betrag selbst aufbringen, also rund 25 Euro im Monat. Junge Erwachsene unter 25 Jahren erhalten zusätzlich einen einmaligen Startbonus von 200 Euro.

Rechenbeispiel: 150 Euro monatliche Eigenleistung plus bis zu 540 Euro Zulage entsprechen jährlich rund 2.340 Euro Anlagesumme. Wer dieses Niveau über 30 Jahre durchhält, kommt bei sieben Prozent Durchschnittsrendite auf rechnerisch über 220.000 Euro Endkapital.

Steuern: Die wichtigsten Vorteile bleiben bestehen

Beiträge und Zulagen lassen sich weiterhin steuerlich absetzen. Das Finanzamt prüft automatisch, ob über die Zulage hinaus ein zusätzlicher Steuervorteil entsteht. Erträge und Wertzuwächse bleiben in der Ansparphase steuerfrei – ein Vorteil, der bisher vor allem Versicherungsverträgen vorbehalten war.

Künftig profitiert auch das Altersvorsorgedepot von dieser steuerlichen Bevorzugung: Wer sein Portfolio umschichtet oder von einem ETF in einen anderen wechselt, muss die zwischenzeitlich erzielten Gewinne nicht versteuern. Bei identischer Anlage lässt sich so gegenüber einem normalen Privatdepot eine spürbar höhere Rendite erzielen. Erst in der Auszahlungsphase – also im Ruhestand – fallen Steuern an, dann meist zu einem niedrigeren persönlichen Steuersatz.

Rente, Auszahlplan oder Mischlösung?

Bisherige Riester-Sparende erhalten zwingend eine lebenslange Rente und dürfen sich zu Rentenbeginn ab 62 Jahren nur einmalig 30 Prozent des Guthabens auszahlen lassen. Diese Option bleibt weiterhin bestehen – aber sie wird ergänzt: Statt einer klassischen Verrentung ist künftig auch ein flexibler Auszahlplan ab 65 Jahren möglich, der mindestens bis zum 85. Lebensjahr läuft.

Der große Vorteil: Die monatlichen Auszahlungsbeträge können beim Auszahlplan deutlich höher liegen als bei einer reinen Verrentung, weil keine sehr hohe Lebenserwartung einkalkuliert werden muss. Wer überdurchschnittlich lange lebt, sollte allerdings zusätzliche finanzielle Reserven einplanen – beim Auszahlplan ist das Kapital nach rund 20 Jahren typischerweise aufgebraucht.

Mehr Flexibilität beim Anbieterwechsel

Auch beim Wechsel zwischen Anbietern soll künftig deutlich mehr Bewegung möglich sein. Geplant sind reine Auszahlungsprodukte, sodass Beschäftigte über Jahrzehnte renditestark im Altersvorsorgedepot ansparen und erst später entscheiden, wer das Kapital im Ruhestand auszahlt. Banken, Fonds- und Depotanbieter werden dann mit klassischen Versicherern um die beste Auszahlungslösung konkurrieren.

Für wen sich das Altersvorsorgedepot besonders lohnt

Für Berufstätige, die noch mindestens zehn bis fünfzehn Jahre bis zur Rente vor sich haben, ist das Altersvorsorgedepot besonders interessant. Bestehende Riester-Guthaben können förderunschädlich auf das neue Modell übertragen werden. Wer bereit ist, monatlich 30 bis 150 Euro in breit gestreute ETF-Sparpläne einzuzahlen, profitiert dauerhaft von einer renditestarken Anlage in Kombination mit hoher staatlicher Förderung.

Wichtig ist, sich grundsätzlich mit dem Kapitalmarkt auseinanderzusetzen, um informierte Entscheidungen treffen zu können. Wer dafür weder Zeit noch Lust mitbringt, kann auf das standardisierte Depot mit fester Zwei-Fonds-Struktur zurückgreifen – durch die staatliche Konkurrenz dürften die Kosten in diesem Segment in den nächsten Jahren weiter sinken.

Fazit

Für viele Sparerinnen und Sparer könnte die Reform tatsächlich ein Wendepunkt sein. Erstmals werden moderne Kapitalmarktanlagen, transparente Kosten und attraktive staatliche Förderung in einem System zusammengeführt. Wer früh einsteigt, lange dabeibleibt und den Sparplan emotionsfrei durchhält, kann sich im Ruhestand über deutlich mehr Spielraum freuen – und zwar nicht trotz, sondern dank der staatlichen Hilfe.